Es gibt heute tausende spezialisierte SaaS Tools für nahezu jeden Geschäftsprozess. Genau deshalb stellt sich für viele Unternehmerinnen und Unternehmer eine berechtigte Frage: Braucht es überhaupt noch klassische ERP-Systeme, wenn sich der eigene Software Stack auch aus einzelnen Spezialtools zusammenbauen lässt? Wir haben genau diese Frage Patrick gestellt, Geschäftsführer der Rowi GmbH und Experte für die Implementierung von Odoo in der österreichischen Industrie und Business Landschaft. Seine Antwort hat uns selbst überrascht.
Ich stell dir gleich mal die provokante Frage: Braucht es überhaupt noch ERP-Systeme? Stefan Wöhrer, Senior Developer & CEO @LEAN-CODERS
Was ein ERP-System eigentlich ist und warum die Definition allein wenig hilft
Die Lehrbuchdefinition klingt meist so: Ein ERP-System ist ein integriertes zentrales System, das die Geschäftsprozesse eines Unternehmens abbildet. Klingt korrekt, hilft im Alltag aber wenig weiter. Viel greifbarer wird es an einem konkreten Beispiel. Stell dir den letzten Handwerker vor, der bei dir zu Hause war, zum Beispiel ein Elektriker, der neue Steckdosen in der Küche montiert hat. Am Ende hat er vermutlich sein Tablet gezückt, seine Arbeitszeit erfasst, das verbrauchte Material dokumentiert und dir alles zur Unterschrift vorgelegt. Vielleicht konntest du sogar direkt mit Karte bezahlen.
Für dich war der Auftrag damit erledigt. Im Hintergrund läuft die Geschichte aber weiter. Die verbaute Steckdose war die letzte in seinem Auto, also braucht er Nachschub. Ein Kollege mit derselben Ausstattung im Fahrzeug wird informiert, ebenso die Lagerleiterin, die den niedrigen Bestand erkennt und beim Lieferanten nachbestellt. Der Einkauf gibt die Lieferantenrechnung frei, die Buchhaltung verbucht sie korrekt und die Lohnverrechnung kennt die erfassten Arbeitsstunden der Mitarbeiter:innen. All diese Abteilungen greifen dabei auf dieselbe Datenbasis zu und arbeiten mit demselben System. Genau das ist die eigentliche Stärke eines ERP-Systems.
Warum ERP-Systeme trotz tausender SaaS-Tools noch ihren Platz haben
Ja, natürlich braucht es auch heute noch ERP-Systeme. Was es aber vielleicht nicht mehr braucht, sind ERP-Systeme, wie man sie früher klassisch kannte. Riesige Monolithen, an denen man nur unter großen Schmerzen und hohen Kosten überhaupt etwas ändern kann. Oder Systeme, die glauben, dass neben ihnen nichts anderes existiert und sich mit keiner anderen Software integrieren lassen.
Was es sehr wohl weiterhin braucht, ist das grundlegende Versprechen eines ERP-Systems. Erstens, dass das alltägliche Tagesgeschäft einfach reibungslos läuft. Zweitens, dass eine Single Source of Truth existiert. Wenn ein Report aus der Lagerhaltung, der Buchhaltung und der Auftragsabwicklung gezogen wird, müssen die Zahlen zusammenpassen und ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Genau das erreicht man mit einem integrierten System, das sich zugleich modular erweitern lässt. Für diese Art von Lösung gibt es weiterhin echten Bedarf, unabhängig davon wie viele Spezialtools auf dem Markt entstehen.
Wie Odoo als ERP-System im Vergleich zu klassischen Monolithen abschneidet
Odoo positioniert sich bewusst als Gegenentwurf zum klassischen Monolithen. Statt eines starren Gesamtpakets setzt Odoo auf einzelne Module, die je nach Bedarf zugeschaltet werden. Das bedeutet konkret, dass ein Unternehmen mit einem überschaubaren Teilbereich starten kann, etwa Verkauf oder Lagerhaltung, und das System bei wachsendem Bedarf schrittweise erweitert.
Auch beim Thema Warenwirtschaft zeigt sich diese Flexibilität deutlich. Ein Warenwirtschaftssystem auf Basis von Odoo verbindet Lagerbestände, Bestellungen und Auftragsabwicklung in Echtzeit. Geht ein Ersatzteil im Lager zur Neige, erkennt das System das automatisch und informiert die zuständige Einkaufsabteilung.
Open Source hat ja oft so den Ruf, eher was für Hobbyprojekte zu sein. Stefan Wöhrer, Senior Developer & CEO @LEAN-CODERS
Manche verbinden Open Source Software noch immer vor allem mit Hobbyprojekten. Patrick begegnet diesem Vorurteil gelassen: Wenn Open Source nur für Hobbyprojekte geeignet wäre, dann müssten auch Android, Linux oder Kubernetes in diese Kategorie fallen. Odoo hat als kleines Open Source Projekt begonnen, wird mittlerweile aber von einer großen Entwicklungsmannschaft kommerziell weiterentwickelt und hat sich stark professionalisiert.
Odoo ERP im Livebeispiel: Wie Leads per KI direkt ins CRM wandern
Im Video zeigt Patrick eine konkrete Live-Demo, die verdeutlicht, wie praxisnah Odoo CRM tatsächlich funktioniert. Ein eingehender Lead wird per Künstlicher Intelligenz automatisch erfasst und direkt ins CRM gespielt, ganz ohne manuelle Dateneingabe. Von dort aus lässt sich in wenigen Schritten ein Angebot erstellen und dem Kunden als PDF zusenden.
Die komplette Live-Demo kannst du dir im Video auf YouTube ansehen, dort zeigt Patrick jeden Schritt direkt am Bildschirm.
Gefällt dem Kunden das Angebot, kann er es direkt online akzeptieren und sogar digital unterschreiben. Sobald das Angebot angenommen wurde, erreicht es in Odoo automatisch einen neuen Status und wird zum Verkaufsauftrag. Von hier aus lässt sich die Lieferung auslösen und die Rechnung stellen, alles innerhalb desselben Systems und ohne Medienbrüche. Genau dieser durchgängige Prozess von der Lead-Erfassung bis zur Rechnung zeigt, warum Odoo CRM in der Praxis so viel Zeit spart und Fehlerquellen reduziert.
Was Unternehmen aus echten Odoo Erfahrungen bei der Einführung lernen können
Aus zahlreichen Odoo Erfahrungen in der Praxis kristallisieren sich laut Patrick drei typische Fehler heraus, die Unternehmen bei der Einführung machen. Der erste Fehler ist der Versuch, das alte System eins zu eins in Odoo nachzubauen, anstatt Prozesse neu zu denken.
Der zweite Fehler ist, einfach alle verfügbaren Module zu installieren und erst danach zu überlegen, was einem gefällt, ohne vorher zu klären, welche Pain Points überhaupt gelöst werden sollen.
Der dritte Fehler ist, ohne erfahrenen Odoo Implementierungspartner zu starten, was in der Praxis oft zu vielen leeren Kilometern führt.
Gerade bei den Odoo ERP Kosten lohnt es sich, realistisch zu planen. Die Einführung eines ERP-Systems muss dabei nicht zwangsläufig jahrelang dauern. Patrick empfiehlt seinen Kunden, mit einem MVP zu starten, also einem minimal funktionsfähigen Produkt. So lässt sich schnell ein erster Mehrwert sichtbar machen, frühe Erfolge werden schneller realisiert und für den weiteren Ausbau bleibt anschließend mehr Zeit.
Odoo hat sich sehr stark professionalisiert und lässt sich für alle Unternehmen aller Größen einsetzen. Patrick Schmöllerl, Geschäftsführer Rowi GmbH
Wie du mit dem richtigen Odoo Partner Österreich die ersten Schritte gehst
Wer sich für eine Odoo Implementierung interessiert, sollte laut Patrick mit drei konkreten Schritten beginnen. Der erste Schritt ist, sich Zeit zu nehmen und die eigenen Pain Points zu definieren, also jene Bereiche im Unternehmen, die durch Odoo tatsächlich verbessert werden sollen, und diese in einer Reihenfolge anzugehen, die spürbaren Business Impact bringt.
Der zweite Schritt ist, im Unternehmen eine Person zu finden, die das Projekt intern und extern vertritt, oft als Champion oder Product Owner bezeichnet. Diese Person sollte gut vernetzt sein, einen klaren Überblick über die bestehenden Prozesse haben und ausreichend Zeit für das Projekt mitbringen, was in der Praxis oft die größte Herausforderung darstellt.
Der dritte Schritt, den Patrick uneingeschränkt empfiehlt, ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Odoo Partner Österreich. Ein guter Implementierungspartner kennt die typischen Stolperfallen, unterstützt bei der Modulauswahl und begleitet die Einführung von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein ERP-System einfach erklärt?
Ein ERP-System ist eine Centrale Softwarelösung, die verschiedene Geschäftsbereiche wie Lager, Buchhaltung, Verkauf und Personal miteinander verbindet, sodass alle Abteilungen mit denselben Daten arbeiten.
Braucht jedes Unternehmen ERP-Systeme?
Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein vollständiges ERP-System. Sobald aber mehrere Abteilungen zusammenarbeiten und Daten konsistent bleiben müssen, zahlen sich ERP-Systeme deutlich aus.
Ist Odoo ERP auch für kleine Unternehmen geeignet?
Ja, Odoo ERP lässt sich modular aufbauen und eignet sich sowohl für kleine Betriebe als auch für größere Unternehmen, da einzelne Bereiche unabhängig voneinander gestartet werden können.
Wie lange dauert eine Odoo Implementierung?
Mit einem MVP Ansatz lässt sich eine Odoo Implementierung deutlich beschleunigen, da man mit einem klar abgegrenzten Kernbereich startet und das System danach schrittweise erweitert.
Was kosten Odoo ERP Kosten in etwa?
Die Odoo ERP Kosten hängen stark vom Umfang der gewählten Module und der Komplexität der Prozesse ab, lassen sich durch einen MVP Start aber gut kontrollieren.
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