Am 26. September 2026 ging FITS – Feminist IT to the Sky – in die zweite Runde. Dieses Mal waren noch mehr Unterstützer*innen und Helfer*innen dabei, um gemeinsam einen inspirierenden Tag rund um Technik, Austausch und feministische Perspektiven zu gestalten.
Dabei sollte FITS nicht nur Raum zum Lernen und Ausprobieren bieten. Im Mittelpunkt stand auch die Frage, wie wir Technologie gemeinsam gestalten können und welche Perspektiven in der IT noch immer zu wenig gehört werden.
Wer steckt hinter FITS?
FITS wird von vielen Freiwilligen getragen, die ihre Zeit, Ideen und Motivation einbringen – bei der Planung im Vorfeld, während des Events und in der Nachbereitung. An der zweiten Ausgabe waren mehrere Organisationen beteiligt:
- LEAN-CODERS stellten die Location sowie Essen und Getränke zur Verfügung.
- Der G:URL*s Coding Club organisierte den Coding- und Software-Development-Track und übernahm einen großen Teil der allgemeinen Organisation.
- Die Haecksen gestalteten den IT-Security-Track und unterstützten ebenfalls bei der Organisation.
- Das Feminist Linux Meetup und Tante Malkah halfen tatkräftig bei der Vorbereitung und Durchführung des Events.
Erst durch diese Zusammenarbeit konnte ein Event entstehen, das technisches Lernen mit Community, gesellschaftlichen Fragen und feministischen Perspektiven verbindet.
Ein gemeinsamer Start in den Tag
Der Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Bei Kaffee und gutem Essen konnten die Teilnehmenden in Ruhe ankommen und sich bereits ein wenig kennenlernen. Nach der Begrüßung folgte der vielleicht berüchtigtste Teil jedes Events: die Icebreaker.
Nachdem die ersten Hemmungen überwunden waren, hatten viele Teilnehmende bereits neue Menschen gefunden, mit denen sie Interessen, Erfahrungen oder Ideen teilten. Anschließend teilte sich die Gruppe auf die beiden Tracks auf: den Coding- und Software-Development-Track sowie den IT-Security-Track.
Tech Literacy im Coding-Track
In unserem Hackathon-Track beschäftigten wir uns mit der Frage, warum Tech Literacy wichtig ist und wie wir technisches Wissen für unterschiedliche Menschen zugänglicher machen können.
Tech Literacy bedeutet dabei mehr, als programmieren zu können oder bestimmte digitale Tools zu beherrschen. Es geht auch darum, technologische Systeme zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und selbstbewusst mitzugestalten. Denn Technologie beeinflusst inzwischen fast alle Bereiche unseres Lebens – von Bildung und Arbeit bis hin zu Kommunikation, politischer Teilhabe und dem Zugang zu Informationen.
Aus feministischer Perspektive stellt sich dabei auch die Frage, wer Technologien entwickelt, wessen Bedürfnisse berücksichtigt werden und welche Menschen durch digitale Angebote möglicherweise ausgeschlossen werden. Genau hier setzte der Hackathon an: Die Teilnehmenden sollten eine Website oder App entwerfen und einen ersten kleinen Prototyp entwickeln, der dabei hilft, eine konkrete Lücke im Zugang zu Technologie oder technologischem Wissen zu schließen.
Schon bei den ersten Pitches wurde deutlich, wie vielfältig Tech Literacy verstanden werden kann. Nachdem sich Teams zusammengefunden hatten, wurden aus den ersten Ideen schnell konkrete Konzepte. Die Projekte reichten von einer sicheren Sandbox-Umgebung, in der ältere Menschen digitale Technologien kennenlernen können, über eine Anti-Burnout-App bis hin zu einer Website zur Unterstützung von Junior Developer*innen.
Die Ideen zeigten, dass Barrieren im Umgang mit Technologie sehr unterschiedlich aussehen können. Manchmal fehlt technisches Wissen, manchmal ein sicherer Raum zum Ausprobieren und manchmal vor allem Orientierung oder Unterstützung. Die entwickelten Konzepte versuchten, genau an diesen unterschiedlichen Punkten anzusetzen.
Dabei ging es nicht darum, innerhalb weniger Stunden ein vollständig fertiges Produkt zu entwickeln. Viel wichtiger war der gemeinsame Prozess: ein Problem zu erkennen, die Bedürfnisse einer Zielgruppe zu verstehen und daraus eine mögliche technische Lösung zu gestalten.
Während des Tages wurde deshalb nicht nur programmiert und designt, sondern auch viel diskutiert, ausprobiert und voneinander gelernt. Die Organisator*innen halfen dabei, Ideen weiterzuentwickeln, offene Fragen zu klären und passende Tools zu finden. Gleichzeitig unterstützten sich auch die Teilnehmenden gegenseitig – bei technischen Problemen, der Ausarbeitung ihrer Konzepte und der Gestaltung der abschließenden Präsentationen.
Gerade diese Zusammenarbeit war eine der wichtigsten Erfahrungen des Tracks. Unterschiedliche Kenntnisse und Perspektiven wurden nicht als Hindernis wahrgenommen, sondern als Stärke genutzt. Man musste nicht bereits alles wissen oder können, um eine wertvolle Idee einzubringen und gemeinsam daran weiterzuarbeiten.
Natürlich durften dabei auch Snacks nicht fehlen. Besonders die selbst gebackenen Cookies und Kuchen, die mitgebracht wurden, waren ein Highlight.
Ein Blick in den IT-Security-Track
Im IT-Security-Track ging es darum, in Kleingruppen gemeinsam sogenannte CTF-Rätsel (Capture The Flag) zu lösen. Dabei geht es meist darum, eine versteckte "Flagge" zu finden. Solche Flaggen sind einfach Symbolketten mit einer bestimmten Struktur wie zum Beispiel FITS{g3h31m35_c0d3_w0rt}, damit sie einfach erkennbar sind. Oft gibt es ein Computer-Programm oder eine Website mit einer extra platzierten Sicherheitslücke, die ausgenutzt werden kann, um an die Flagge zu kommen. Für Rätsel im Bereich der Kryptographie geht es darum, ein Verschlüsselungsverfahren zu knacken und für Rätsel im Bereich der digitalen Forensik muss eine Flagge gut versteckt in komplexen, großen oder vielschichtigen Rohdaten gefunden werden.
Am Anfang gab es einen kurzen Einführungsvortrag, wo die verschiedenen Plattformen mit den Rätseln kurz vorgestellt wurden. Dabei waren die "CyLab Security Academy", "The Workable Cookie Place", "CRYPTOHACK" und Rätsel von "SHECURITY". Nachher haben sich die Gruppen zusammengefunden und entschieden, an welchen Rätseln sie arbeiten wollen. Dafür wurde auch ein gefaltetes, dickes Papier auf den Tischen aufgestellt und raufgeschrieben, was an dem Tisch gemacht wird. Für bestimmte Rätsel war es nötig, Docker zu installieren, was wir auch gemeinsam hinbekommen haben. Es gab auch immer die Möglichkeit, zu einem anderen Tisch zu wechseln, was allerdings wenig gemacht wurde. Die meisten hatten sich schon gut zusammengefunden.
Es waren sowohl Anfänger*innen als auch weiter fortgeschrittene Leute mit dabei, gut durchgemischt und mit Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen, sodass alle voneinander und miteinander lernen und sich austauschen konnten. Pausen konnten jederzeit gemacht werden und da wurde gerne auch beim Buffet gegessen und geplaudert. Nach ein paar Stunden gab es die Mittagspause mit leckerem Catering und am Nachmittag ging es mit den Rätseln weiter. Abschließend gingen wir dann alle zum Hauptraum, um uns die Projekte und Ideen von den Leuten vom Hackathon-Track anzuhören und anschließend bei der gemeinsamen Fishbowl-Diskussion mitzumachen.
Austausch über die Tracks hinweg
Bei so viel konzentrierter Arbeit waren gemeinsame Pausen besonders wichtig. In der Mittagspause konnten sich alle stärken und mit den Teilnehmenden des jeweils anderen Tracks austauschen. Das Essen war ausgezeichnet – aber fast noch wertvoller waren die Gespräche, die dabei entstanden.
So konnten nicht nur die Inhalte der beiden Tracks miteinander geteilt werden. Es entstand auch Raum, um über persönliche Erfahrungen in der IT, gemeinsame Herausforderungen und mögliche Ideen für zukünftige Projekte zu sprechen. Viele der interessantesten Gespräche fanden deshalb nicht nur während des offiziellen Programms, sondern auch zwischendurch bei Kaffee, Kuchen oder dem gemeinsamen Mittagessen statt.
Präsentationen und neue Perspektiven
Gegen Ende des Tages bereiteten sich die Teams auf ihre Präsentationen vor. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit innerhalb weniger Stunden in die Ideen und Prototypen geflossen war. Die Präsentationen machten sichtbar, wie aus einer ersten Fragestellung Schritt für Schritt ein konkretes Konzept entstehen kann. Einige der vorgestellten Projekte hätten auf jeden Fall das Potenzial, weiterverfolgt zu werden.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass es nicht an Ideen für eine zugänglichere und gerechtere digitale Zukunft mangelt. Was es dafür braucht, sind Räume, in denen Menschen diese Ideen ausprobieren, Wissen miteinander teilen und sich gegenseitig ermutigen können.
Die Präsentationen führten direkt in unsere abschließende Fishbowl-Diskussion, die für viele ein besonderes Highlight des Tages war. Gemeinsam sprachen wir darüber, wie eine feministische Zukunft in der IT aussehen könnte und weshalb feministische Perspektiven in der Technologieentwicklung wichtig sind.
Dabei ging es auch um die Frage, wie geschützte Räume bewahrt werden können, ohne notwendige Diskussionen ausschließlich innerhalb dieser Räume zu führen.
Denn einerseits braucht es Orte, an denen FLINTA*-Personen ihre Erfahrungen offen teilen und sich gegenseitig unterstützen können. Andererseits müssen Gespräche über Machtstrukturen, Diskriminierung und Verantwortung in der Technologiebranche auch über diese Räume hinaus stattfinden.
Was wir mitgenommen haben
FITS hat erneut gezeigt, wie wichtig Räume sind, in denen technisches Lernen, gesellschaftliche Fragen und Community zusammenkommen. Viele Teilnehmende nahmen nicht nur neue Ideen und praktisches Wissen mit, sondern auch neue Kontakte, Perspektiven und hoffentlich mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Es war inspirierend, so viele FLINTA*-Personen an einem Ort zusammenzubringen und dabei so unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen zu hören. Trotz dieser Vielfalt war ein starkes gemeinsames Ziel spürbar: Technologie soll nicht nur für möglichst viele Menschen funktionieren, sondern auch von unterschiedlichen Menschen mitgestaltet werden können.
Am Ende des Tages gingen wir deshalb nicht nur mit neuen Erkenntnissen nach Hause, sondern vor allem mit einem starken Gefühl von Gemeinschaft.
Ein großes Dankeschön gilt allen Organisationen, Helfer*innen, Mentor*innen und Teilnehmenden, die FITS 2026 möglich gemacht haben. Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe!
Danke an Tauber Brötchen, Wildkaffee, Hakuma und Neoh, die uns bei der Verpflegung aller Teilnehmenden unterstützt haben.
Du willst mehr?
Wie sich der Tag angefühlt hat, erzählen die Teilnehmenden am besten selbst: in Part 1 und Part 2 unseres Videos „Women in Technology: Voices from Feminist IT to the Sky 2, FLINTA Hack & Learn Day in Vienna auf unserem Youtube Kanal.
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